Pressemitteilung XIV– September 2011

 

München, 19. September 2011 (vz). Smart-shopping lautet das Zauberwort des 21. Jahrhunderts. Die Menschen in Deutschland gelten als die Schnäppchenjäger schlechthin. Ob Flatscreen, Couchgarnitur oder Auto – gefeilscht wird um jeden Euro. Besonders lohnenswert ist das Pokern um (Zehntel) Prozentpunkte bei der Eigenheim-Finanzierung. Ein möglichst niedriger Effektivzins beim Hypotheken-Darlehen und der Verzicht des Kreditgebers auf zusätzliche Gebühren bringen auf Dauer hohe Ersparnisse.

Wer Geld hat, um dieses anzulegen, ist an möglichst hohen Habenzinsen interessiert. Über einen langen Zeitraum sowie regelmäßig Jahr für Jahr. Wer allerdings Geld benötigt, um beispielsweise den Bau oder Kauf seines Eigenheims zu finanzieren, hat das gegenteilige Interesse: Das Hypotheken-Darlehen sollte – gemessen am Effektivzins – möglichst preiswert sein. Überdies sollte die Bank oder Sparkasse als Kreditgeber idealerweise auf Gebühren und andere zusätzliche Kostenposten völlig oder größtenteils verzichten. „Angesichts des harten Wettbewerbs der Institute untereinander lohnen Angebotsvergleiche und hartes Verhandeln in jedem Fall“, sagt Florian Haas, Vorsitzender der „Schutzgemeinschaft für Baufinanzierende e. V.“.

So bringt jeder Zehntel Prozentpunkt niedrigerer Kreditzins über die Jahre erhebliche Einsparungen. Beispiel: Bei einem Hypotheken-Darlehen von angenommen 200.000 Euro und einem nur zwei Zehntel Prozentpunkte niedrigeren Zins kann der Bauherr immerhin jährlich 400 Euro auf der Habenseite des Familien-Budgets gutschreiben. Die gesamte Ersparnis bei einer momentan empfehlenswerten Zinsbindungsfrist von 15 Jahren summiert sich somit auf 6.000 Euro. „Geld, das sich an anderer Stelle sinnvoll investieren lässt. Etwa in die zusätzliche Tilgung des Hypotheken-Darlehens“, erläutert Finanzierungsexperte Haas.

Hartnäckiges Feilschen und Verhandeln lohnt somit fast immer. Selbst wenn am Ende statt zwei nur ein Zehntel Prozentpunkt Zinsminus herausspringt. Zugleich gilt aber auch: „Bei seinem Zinspoker sollte der Kreditnehmer schon gute Argumente parat haben, um seinen Finanzierungsberater zu überzeugen“, rät Haas. So sollte der Vergleich von Angeboten einer guten Hand voll unterschiedlicher Darlehensgeber Pflicht sein beim Pokern um Prozente. Aber „auch weiche Faktoren sind oft wichtig“, weiß Florian Haas. Dazu zählen ein gepflegtes Auftreten sowie die Betonung eigener Stärken: zum Beispiel eines weitest gehend sicheren Jobs, der harmonischen Familienverhältnisse sowie die Bodenständigkeit, bei der auf luxuriösen Schnickschnack wie den Porsche und mindestens zwei Fernreisen im Jahr bewusst verzichtet wird.

„Dies alles vermittelt dem Finanzierungsberater bei der Bank oder Sparkasse den Eindruck, dass sein Gegenüber solide wirtschaftet und ein höchstes Interesse daran hat, den finanziellen Verpflichtungen auch nachzukommen“, erläutert Schutzgemeinschafts-Vorsitzender Haas die Hintergründe.

Wichtig: Seit 11. Juni 2010 gilt in Deutschland – auf Grundlage der entsprechenden EU-Richtlinie – ein neues Verbraucherkreditgesetz. Neuerung unter anderem: Darlehensgeber müssen bei Verträgen, die ab dem genannten Zeitpunkt abgeschlossen werden, auch sämtliche Nebenkosten bei der Berechnung des Effektivzinses berücksichtigen. Anders als früher übrigens. Aber: „Hier gibt es noch eine große Regelungslücke, die den Angebotsvergleich in punkto Effektivzins sehr schwierig macht“, kritisiert Florian Haas das neue Regelwerk.

Tipp: Viele Bankberater haben beim Nominalzins des Kredits, dem wichtigsten Bestandteil der Effektivkondition, keinen Verhandlungsspielraum. Zum Ausgleich dürfen sie dem Bauherren oder Immobilienkäufer bei zusätzlichen Kosten und Gebühren entgegenkommen. „Der Verzicht auf Bearbeitungsgebühren, Schätzkosten oder Bereitstellungszinsen kann den tatsächlichen Preis des Baukredits, also den Effektivzins, erkennbar verringern“, erläutert Florian Haas. Wenn beim Zins also nichts geht, dann vielleicht bei den genannten Kostenposten. Ein kleiner Hinweis, dass die Konkurrenz darauf verzichtet, wirkt beim Berater der Hausbank erfahrungsgemäß oft Wunder.

Hartnäckiges Verhandeln bei der Baufinanzierung hilft, den Traum vom Eigenheim zu realisiern. Foto: Benjamin Klack/ Pixelio